Duisburg (RP) Fesche Madeln in Dirndln und stramme Buam in Lederhosen gaben sich am Wochenende in Serm ein Stelldichein.

Prost! Beim Sermer Oktoberfest blieb keine Kehle trocken. Rund 2500 Gäste feierten ausgelassen im Zelt am Breitenkamp. RP-Foto: Andreas PRobst

serm Was für ein Bild: Partygäste in bayerischen Trachten, die auf den Bierbänken schunkeln und mit ihren Maßkrügen der Band auf der Bühne zuprosten: "Eins, zwei, drei gsuffa!". In München würde man sich dieser Tage nicht über soviel süddeutsche Glückseligkeit wundern, aber am Niederrhein? Die Sermer schufen am Samstag ihren ganz eigenen blau-weißen Himmel. In ihrem riesigen, aufwendig dekorierten Festzelt auf dem Kaselle-Pitter-Platz am Breitenkamp ging es zu wie auf der echten Wies'n: Fesche Madeln im Dirndl, die Haare zu Zöpfen geflochten, zogen ihre Begleiter in Lederhosen auf die Tanzfläche. Dort gaben die "Partylumpen" den Takt an. "Küss die Hand schöne Frau. Ihre Augen sind so blau. Tirili, Tirila, Tirilau!", gab der Sänger Komplimente.

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Seit 2000

Die Idee zum Oktoberfest hatte der Schützenverein Serm anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Sebastianer-Kompanie im Jahr 2000. Mit einem solch durchschlagenden Erfolg hätte sicher niemand gerechnet. 2500 Gäste haben jedes Jahr sichtlich Spaß am Trachtenspektakel.

Einige Hektoliter

Die Münchner Schickeria fand zwar nicht den Weg an den Niederrhein, dafür gab es royalen Besuch: Schützenkönig, Prinz und Hofmarschall hatten einen großen Einzug ins Festzelt. Das Tambourkorps Serm und die Bundesschützenkapelle Neuss spielten auf. An Trinkfestigkeit konnten es die Sermer ebenfalls mit ihren großen Brüdern aufnehmen. "Hier trinken wir eh ein bisschen mehr. Wenn nur jeder vier Halbe schafft, dann kommen schon einige Hektoliter zusammen", schätzte Marcel Hauschulz. Außerdem finden eine Menge Zugereiste hierhin. Marc Scheidtmann kam extra aus Köln. "Das ist eine nette Veranstaltung. Für einen Tag betreiben die Organisatoren ja einen Riesenaufwand". Auf die Frage, wo er und seine drei Begleiterinnen die Originaltracht herhaben, gab es nur eine Antwort: "Natürlich waren wir auch schon auf dem Oktoberfest in München". Ansonsten gibt es ja auch noch die Oma oder das Internet. "Da habe ich mein Dirndl her. Ich finde es hier toll. So viele Leute feiern friedlich zu Musik, die man zu Hause nicht auflegt", freute sich Melanie Dathe. An bayerischen Schmankerln mangelte es nicht. Schweinshaxe mit Kraut oder Weißwurst mit Brezen ließen sich die Bayernfans zu ihrer Mass schmecken. Im Gegensatz zum Original durfte die Partymeute hier auch rauchen. Aber das Schönste ist immer noch das Flirten. Welche Frau sieht im Dirndl nicht zuckersüß aus? "Sexbomb", dröhnte es aus dem Mikro. Einige hatten ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift "Spatzl" um den Hals. Andere sandten an Hand ihrer Dirndlschürze das richtige Signal: Denn je nachdem wo die Schleife sitzt, muss der Kontaktsuchende mit Nebenbuhlern rechnen – oder hat freie Bahn.

 

Christina Hoetzel